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18.08.2020, 14:34 Uhr
Menzitowoc
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Comedil CBR 40H-4 – Posting 1 von 2
Hallo,
in Frankfurt-Niederrat am Mainufer ergab sich Mitte Juni 2020 mal wieder eine Gelegenheit, einen Terex-Comedil CBR 40H-4 Schnellmontagekran (Bj. 2012) etwas genauer unter die Lupe zu nehmen – siehe auch zum Vergleich mein Posting eines Comedil CBR 40H-4 in Rüsselsheim von 2015. Auch diesmal war der Kran von Schmittner angemietet.
 Den CBR 40 erkennt man daran, dass er zwei fast parallele Stützen vor und hinter dem ersten Auslegerknick hat. Die anderen Comdeil-Schnellmontagekrane haben an dieser Stelle nur einen Lenker. Darüber hinaus ist er der einzige Kran der Baureihe, der einen geklappten Gitterturm statt eines Vollwandturmes hat.
 Der Unterwagen ist – wie bei den veilen Kranen dieser Größenklasse und Bauart – punktsymmetrisch aufgebaut. Die Stützträger sind hier jedoch vom Untergurt angeschrägt, statt wie sonst üblich auf der Oberseite. Die eigentlichen Stützspindeln sind von unten her eingeschraubt und an der Oberseite volständig abgedeckt, was das Rostproblem am Stützgewinde deutlich reduziert. Das Hubwerk (unten) und das Katzfahrwerk (oben) sind im Turmfuß angeordnet und werden über Winkelgetriebe von den jeweiligen Motoren angetrieben. Für die Wartung ist diese Anordnung sehr günstig, allerdings müssen natürlich beide Katzfahrseilstränge am Turm entlang nach oben geführt werden. Bei den Kranen mit nach dem Faltturmprinzip ist dies aber nicht allzu problematisch, zumal die Seile nur im Transport- und Auffaltzustand über Rollen laufen müssen. Im vollständig aufgerichteten Zustand sollten sie nicht mehr an den Rollen im Turmknick anliegen, um die Seillebensdauer nicht negativ zu beeinflussen. Aus das Drehwerk ist über ein Winkelgetriebe an den Drehwerksmotor angschlossen. Obwohl die Reibung bei solchen Getrieben etwas größer ist, überwiegt hier wohl der Bauraumvorteil eines liegenden Antriebsstranges.
 Der Ballast besteht aus 13 Betonplatten á 1,55t = 20,15t. Das restliche Eigengewicht des Kran inklusive festmontiertem Grundballast beträgt 20,93t, also fast ein Verhältnis von 1 : 1. Zum Vergleich: beim Liebherr 81K.1 beträgt das Verhältnis Ballast zu Konstruktionsgewicht (dort ebenfalls nur 20,3t) fast 2 : 1. An der linken Oberwagenrahmenseite ist die Hydraulikanlage für den Montagevorgang untergebracht. Wegen der vielen Krafteinleitungsstellen von Wind- und Katzfahrwerk, sowie Anschlußpunkte zu den Transportachsen ist der untere Teil des Turmes doch fast schon vollwandig mit ein paar Löchern ausgeführt. Erste weiter oben beginnt der Gitterturm, der jedoch ebenfalls im unteren Bereich noch Verstärkungsbleche von außen aufgeschweißt hat. An der Krafteinleitungsstelle zum Turmfaltzylinder ist sogar im Inneren des Turmes eine Verstärkung eingeschweißt.
 Ansicht des Turmknickes mit den seitlichen Kniehebeln für den Turmfaltzylinder und die Abstützung für die Rückenstütze, die zusammen mit den Turmfuß, dem Turmknick und der Lagerung am Oberwagenrahmen ein ebenes Viergelenkgetriebe bildet. Das Grundprinzip wurde schon von Boilot eingeführt und später mit hydraulischem statt seilmechnischem Antrieb umgesetzt. Für kleinere Untendreher ist es heute die Standardbauweise, die auch Liebherr jetzt wieder bei den L1-Kranen einsetzt. Aber auch in diesem Turmbereich muß der einfache Gitterturm verstärkt werden, um die lokal hohen Kräfte aus der Faltkinematik dort einleiten zu können. Wenn man sich jetzt den gesamten Turm anschaut, fragt man sich schon, ob nicht ein durchgehender Vollwandturm mit durchgehender Wandstärke einfacher, besser und kostengünstiger ist, als diese Konstruktion mit lokalen Zusatzblechen. Ich denke, ein Blick auf die sonst am Markt angeboteten Krane dieser Größenklasse beantwortet die Frage: So gut wie alle sind in Vollwandbauweise konstruiert.
Gruß Christoph P.S.: Link zum Image-Shack-Album mit allen Bildern von Untendreher-Turmkranen in voller Auflösung. -- Mal was ganz Anderes: Marion Walking Dragline aus Constructor (Holzbaukasten) |